Bekenntnisse einer Lese-Verrückten

Oft entwickeln Menschen skurrile Züge, wenn sie eine besondere Leidenschaft haben. Meine Leidenschaft ist das Lesen und manchmal beobachte ich auch an mir kuriose Verhaltensweisen, wenn es um Bücher, Lesen und das ganze Drumherum geht.

Über mich und das Lesen könnte ich Bücher füllen. „Normal verrückte“ Lesemarotten wie stundenlanges Stöbern in Buchgeschäften oder Begeisterung für alte Bibliotheken lasse ich aus. Das sind Sachen, die wahrscheinlich jede*r Bibliophile liebt. Ich beschränke mich hier auf eine kleine Fakten-Sammlung über mich und das Lesen und vielleicht wirst du mir nach der Lektüre zustimmen, dass ich (lese-)verrückt bin.

Bekenntnisse einer Lese-Verrückten

1. Geliebte Mami

In meiner Kindheit war ich in den Ferien oft bei meiner Oma zu Besuch. Dort habe ich natürlich auch viel gelesen. Mit großer Begeisterung verschlang ich die Groschenromane meiner Oma, weil diese Lektüre bei mir zuhause nicht gerne gesehen war.

Besonders toll fand ich die „Mami-Romane“ und mochte mit dem Lesen gar nicht aufhören. Meine Oma wollte mit mir aber gerne etwas draußen unternehmen. Was machten wir also? Ich durfte beim Spazierengehen meinen Groschenroman weiterlesen und Oma führte mich sachte am Ellenbogen den Weg entlang.

Ab und zu schickte mir meine Oma übrigens Care-Pakete: Mit Mami-Romanen und Süßigkeiten. Hach!

Rosa Groschenroman "Mami)


2. Lebendes Bücherei-Inventar
Als Kind und Jugendliche war ich Dauer-Besucherin in der Stadtbücherei, man hätte mich auch gut für lebendes Inventar halten können. Ich fraß mich systematisch erst durch die Kinderbücherei, dann durch das Angebot für Jugendliche und musste mit 13, 14 auf Erwachsenenbücher umsteigen.


Wundert es dich, dass ich nach jedem Büchereibesuch mit einem vollbeladenen Fahrradkorb nachhause geradelt bin?

3. Liebe zu Altem und Geliehenem

Bis ich 20 war, las ich am liebsten gebrauchte oder geliehene Bücher. Das hat sich irgendwann geändert. Schaue ich mir heute die Bücherberge in unserem Haus an, wäre es sinnvoll, meine Liebe für geliehene oder gebrauchte Bücher wieder aufleben zu lassen.

4. Schnäppchen-Jagd, Teil 1

Während meines Studiums brach eine neue Ära an – ich fing an mir Bücher zu kaufen. Natürlich schaffte ich mir Fachbücher und Lektüre für die Uni an, aber auch für das private Lesevergnügen versorgte ich mich mit eigenen Büchern.

Wenn in der Bücherei am Wohnort einer ebenfalls bücherverrückten Freundin Buchverkauf war, besuchte ich sie und wir schlugen kräftig bei den Bücherschnäppchen zu. Wir waren diejenigen, die mit Wäschekörben voller Buch-Schätzchen wieder abgerückt sind.

Bei ihr zuhause wurde unsere Beute gründlich gesichtet und wir waren teilweise selber verwundert, was für Bücher in unseren Körben gelandet waren. So fragte ich mich, warum um Himmels Willen ich ein Wein-Lexikon aus den 70igern gekauft hatte (obwohl ich gar nicht so gerne Wein trinke)?

5. Schnäppchen-Jagd, Teil 2

Für reguläre Neuerscheinungen reichte mein Budget im Studium nicht. Also deckte ich mich gerne mit Mängelexemplaren ein. Meine Mitbewohnerin ging auch gerne auf Mängelexemplar-Jagd und wir versorgten uns immer gegenseitig mit Tipps, in welcher Buchhandlung gerade herabgesetzte Bücher angeboten wurden.

Ich liebte es, mich durch die Bücherstapeln mit herabgesetzten Ausgaben durchzuwühlen und mir etwas neues Lesefutter zu gönnen. Aktuelle Bestseller gab es auf den Wühltischen in den seltensten Fällen, aber ich entdeckte unter meinen Mängelexemplaren Bücher, die mir richtig gut gefielen und die mich dazu brachten, immer mehr von den Autor*innen lesen zu wollen. Anne Tyler entdeckte ich beispielsweise auf diese Weise.

6. Die Bibliothek des Stillen Örtchens

Bei uns im Gäste-WC gibt es eine kleine Bibliothek mit einigen Reiseführern und Gedichtbänden. Nicht, dass ich Lyrik so sch….. finde. Aber ein kurzes Gedicht kann man gut mal während des „Aufenthalts“ dort lesen.

Manchmal langt der Aufenthalt auch für einen kleinen virtuellen Ausflug in die Umgebung, nach Holland oder Südengland.

Es gab schon Besucher*innen bei uns, die etwas länger auf dem Stillen Örtchen verschwanden und hinterher von dem soeben gelesenen Gedicht erzählten.

7. Leseverrücktheit ist vererbbar!

Das Lese-Gen hat sich auf meinen Sohn übertragen. Er ist mindestens genauso leseverrückt wie ich, und wenn wir in den Urlaub fahren, muss immer ein großer Wäschekorb voller Bücher mitkommen.

Den füllen wir beide fast ausschließlich mit unserer Lektüre. Ein ultimatives Urlaubsfeeling für uns beide: Abends im Wohnwagen im Etagenbett zu liegen und zu lesen, während alles um uns herum schläft.

Es ist schon mehrmals vorgekommen, dass ich im Urlaub für meinen Sohn Lesenachschub besorgen musste. Wie gut, wenn man die Ferien in deutschsprachigen Gegenden verbringt oder vor der Einreise nach Dänemark in Flensburg noch schnell Jugendbücher shoppen kann!

8. Ordnung in die Verbrechen bringen

Ich liebe Krimis. Besonders gerne mag ich skandinavische und deutsche Exemplare. Besonders gefallen mir Regionalkrimis. A propos Regionen: Nach den Gegenden, in denen sie spielen, habe ich meine Krimis sortiert. So ganz supersystematisch ist meine Ordnung allerdings nicht, meine deutschen Krimis sind von Norden nach Süden sortiert, die schwedischen dagegen von Süden nach Norden.


Nachdem ich dir ein paar Lese-Fun-Facts über mich erzählt habe, muss ich jetzt ganz schnell zu meinem aktuellen Buch eilen. Ich lese gerade den neuesten Krimi von Nele Neuhaus.

Die Bücher MUSS ich immer verschlingen, schließlich spielen sie in meinem Wohnort und geben mir dadurch das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Also Tschüss, ich bin Verbrecher jagen!


4 Kommentare zu „Bekenntnisse einer Lese-Verrückten“

  1. Liebe Ilka!
    Danke für diesen herrlichen Einblick in deine Lese-Verrücktheit. Bei ein paar Verrücktheiten habe ich mich und meinen Ältesten wiederentdeckt. (Wir sind in unsrer kleinen Bibliothek auch schon bekannt für unseren sehr vollen Bücherkorb, den wir nach Hause schleppen.)
    Herzliche Grüße, Judith

  2. So cool geschrieben, Ilka!
    Ich lese und erkenne mich wieder 😝🤪🙈.
    Bei meiner Burger-Oma waren es u.a. die „Dr. Burger“-Romane u.a., immer mit 64 Seiten 😎. Davon habe ich sogar einmal 5 an einem Tag gelesen. Inhalt naja, abef Lesefutter ist Lesefutter.
    Bücherberge – kenne ich.
    Bücherwühlen – kenne ich.
    Bücherverschlingen – kenne ich auch.
    Wir beide könnten (online oder richtig) ein Bücherquatschen veranstalten.
    Toller Artikel, weckt die Lesesehnsucht!

  3. Dass deine Oma dich lesend spazieren gefühlt hat, herrlich! Das hätte ich als Kind ebenfalls sein können. Bei mir waren es übrigens die Hedwig Courths-Mahler-Romane meiner Tante…
    Gerade gestern habe ich mir einen Ostseekrimi von Eva Almstedt (Band 17) für die Weihnachtstage gekauft – wir können also gemeinsam Verbrecher jagen. Liebe Grüße ins Nele-Neuhaus-Land!

  4. Super Artikel und gut geschrieben. Ich bin erst so richtig durch meinen Mann zum Lesen gekommen. Vorher war ich mehr in Bewegung, habe ganz viel Sport gemacht. Mir meinem Mann sahen die Reisen, Ausflüge meist so aus: Sehenswürdigkeiten, Buchladen, Buchladen, Buchladen und zwischendurch ins Café für einen Espresso. Ob neue Bücher, ob alte Bücher, ob gebrauchte Bücher ganz egal. Ich glaube, ihr würdet euch super gut verstehen. Er ist auch Krimi Fan. Mein Mann hatte auch die Marotte, dass Bücher ins Handgepäck gehören und nicht in den Bauch eines Flugzeuges (da könnten sie ja verloren gehen). Auf einem Inlandsflug in USA ist ihm dann mal beim Einchecken im Gang vom Flugzeug eine Tüte geplatzt und alle Bücher lagen verteilt im Gang. Die Schlange hinter ihm kannst du dir vorstellen. Das war der Punkt, an dem ich gesagt habe, dass ab sofort Bücher eingecheckt werden. P.S. Es sind noch nie Bücher verloren gegangen. Herzensgrüße, Ulrike

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