Ratte mit geklebter Brille liest in einem Buch

Gute Lesekenntnisse sind die Voraussetzung für ein erfolgreiches (Schul-)Leben.
Eltern wird daher nahegelegt, das Lesen des eigenen Nachwuchses zu fördern. Zwei Tipps bekommen Mütter und Väter immer wieder zu hören, wenn es darum geht, das eigene Kind fürs Lesen und für Bücher zu interessieren:

  • Vorlesen
  • Ein gutes Beispiel für das Kind sein und selber Bücher lesen

Das sind gute Vorschläge. Aber vielleicht hast du keinen Zugang zu Büchern? Oder du liest zwar gerne, aber Vorlesen ist nicht dein Ding?

Trotzdem kannst du als Elternteil deinem Kind das Lesen schmackhaft machen. Denn beim Vorlesen geht es ja nicht nur um den Textvortag, sondern um das Beisammensein, das Gefühl der Geborgenheit und der Verbundenheit. Wenn du deinem Kind diese Gefühle vermittelst und gemeinsam mit ihm in die Welt der Bücher und des Lesens eintauchst, gelingt es dir vielleicht, das Interesse deines Kindes am Lesen und an Büchern zu wecken, ohne selber eine Lesefan zu sein.

Und was du noch machen kannst: Immer wieder nebenbei kleine Leseanlässe anbieten, die deinem Kind zeigen, wie wertvoll es ist, gut lesen zu können.

Hierfür habe ich dir ein paar Tipps zusammengestellt. Diese Vorschläge kannst du natürlich auch anwenden, wenn du ein bekennender Bücherwurm bist ;-).

1. Die Bücherei besuchen

Auch wenn ihr keine Leseratten seid, lohnt sich der Besuch einer Bücherei auf jeden Fall. In der Regel gibt es dort neben Büchern Filme, Computerspiele oder Gesellschaftsspiele, die man ausleihen kann.

Und vielleicht findet Ihr ja auch Lektüre zu Themen, die Euch als Familie interessieren? Egal, ob ihr ein Kochbuch oder einen Reiseführer für Familien ausleiht – Lesen üben kann man mit fast jeder Art von Buch. Und wenn ihr das Buch zuhause gar nicht anschaut? Auch kein Problem, es hat nichts gekostet, fliegt nicht auf Dauer im Kinderzimmer herum, weil ihr es nach ein paar Wochen wieder züruckbringt.

Was ein riesiger Vorteil der Büchereien ist: Sie sind in der Regel für Kinder kostenlos. Deshalb lohnt es sich auf jeden Fall, für dein Kind einen Büchereiausweis ausstellen zu lassen.

2. Sich gemeinsam etwas vorlesen lassen

Wenn man etwas Schönes vorgelesen bekommt, kann das ein tolles und auch entspannendes Erlebnis sein und möglicherweise den Lesehunger entfachen.

Oft werden in Büchereien speziell für Kinder Lesungen angeboten. Der Vorteil ist, dass die Vorlesenden ihren Job meistens wirklich gut beherrschen und es daher richtig Spaß macht zuzuhören.

Momentan sind die Lesungen teilweise ins Internet ausgelagert, aber warum nicht mal gemeinsam eine gemütliche Zeit miteinander zuhause verbringen und sich übers Internet etwas vorlesen lassen?

3. Hörbücher genießen und mitlesen

Alternativ dazu könnt ihr euch natürlich auch Hörbücher oder Hörspiele anhören. Das ist etwas ganz anderes als sich gemeinsam einen Film anzugucken. Beim Zuhören müssen wir uns unsere eigenen Vorstellungen zu den beschriebenen Dingen machen. Das fördert die Kreativität und Aufmerksamkeit in ganz anderem Maße als beim Fernsehen oder Filmanschauen.

Vielleicht habt ihr Lust, beim Zuhören einmal die Mitlese-Methode auszuprobieren? Dazu braucht ihr ein Hörbuch und das zugrundeliegende Buch. Während euch das Hörbuch vorgelesen wird, könnt ihr in dem Buch mitlesen. Das Mitlesen sollte halblaut erfolgen. Dein Kind kann alleine lesen, ihr lest im Chor lest oder ihr wechselt euch ab. Probiert einfach aus, wie es euch am besten gefällt. Tipps, welche Hörbücher/Bücher sich zum Mitlesen eignen, findest du hier.

4. Interessantes Lesematerial besorgen

Manchmal macht Lesen nur deshalb keinen Spaß, weil man noch nicht das passende Lesefutter gefunden hat.

Wenn ein Kind noch keinen Zugang zu Büchern und dem Lesen hat, ist es sinnvoll, mit kürzeren und einfachen Texten anzufangen. Warum nicht zum Comic oder Witzebuch greifen?

Hauptsache das Lesen macht Spaß (unbezahlte und unbeauftragte Werbung)

Was viele Mädchen und Jungen gerne mögen, sind personalisierte Bücher. In diesen Geschichten spielt das Kind die Hauptrolle und erlebt etwas Spannendes, was sehr motivierend sein kann.

Interaktive Bücher gefallen ebenfalls vielen Kindern, denen Lesen sonst eher zu langweilig ist. Es gibt eine riesige Bandbreite an Themen und Texten, die in diese Kategorie fallen. Dazu gehören beispielsweise auch Bücher, die wie ein Escape-Room-Rätsel funktionieren, dieses zum Beispiel.

Neben klassischen Büchern findet ihr auch interessantes Lesematerial im Internet. Ich würde beim Lesen im Internet von den Interessen deines Kindes ausgehen. Wenn es beispielsweise ein Fußballfan ist, dann findet es vielleicht den Internetauftritt seines Lieblingsvereins toll. Oder es mag eine Filmfigur gerne, dann könnt ihr schauen, ob ihr Infos darüber findet.

5. Sich bastelnd dem Thema Buch annähern

Wenn dein Kind gerne malt und bastelt, dann ist das vielleicht ein guter Einstieg ins Lese-Abenteuer. Für Kinder bis zur 5. Klasse findest du beispielsweise in dem Buch „Mach dein eigenes Buch“ von Tonia Wiatrowski schöne Bastelideen (unbeauftragte und unbezahlte Werbung). Das Buch gibt es aktuell nur noch antiquarisch.

Mir gefallen die vielfältigen Ideen, selber eigene kleine Bücher und Hefte zu erstellen sehr. Und zum Lesen können Kinder hier direkt auf zwei Weisen kommen: Durch das Lesen der Anleitungen und auf der Suche nach Inhalten für die eigenen Buchprojekte.

6. Lesen und Bewegung

Gerade Kindern, die sehr bewegungsfreudig sind, kann es schwer fallen sich hinzusetzen und ein Buch zu lesen.

Die Stiftung Lesen hat Aktionskarten herausgebracht, mit deren Hilfe beides möglich ist: sich bewegen und lesen.

Eine*r liest vor, eine*r balanciert einen Luftballon

Eigentlich sind Lehrer von Schulklassen die Adressaten, einige Übungen kannst du aber durchaus auch mit deinem Kind ausprobieren. Beispielsweise das „Vorlesen und Balancieren“, das auf Karte 27 beschrieben wird. Für diese Übung braucht ihr einen kurzen Text, wie beispielsweise einen Witz und einen Luftballon. Während die eine Person vorliest, probiert die andere den aufgeblasenen Luftballon in der Luft zu balancieren, die Hände dürfen dabei nicht verwendet werden. Die Aktionskarten, die du übrigens kostenfrei herunterladen kannst, findest du hier.

7. Lesen im Alltag

Im Alltag sind wir ganz oft mit der Schriftsprache konfrontiert. Du kannst dein Kind auch ans Lesen heranführen, wenn ihr ganz normale Alltagstätigkeiten ausübt.

Wie wäre es, wenn ihr gemeinsam kocht und dein Kind dafür ein Rezept heraussucht? Auch beim eigentlichen Kochen kann das Kind den Lese-Part übernehmen und die einzelnen Zubereitungsschritte vorlesen.

(Unbezahlte und unbeauftragte Werbung)

Passiert es bei euch auch immer wieder, dass ihr etwas nachschlagen müsst? Warum nicht mal das Kind nach der Antwort suchen lassen. Dabei ist es egal, ob im Internet gegoogelt oder ganz „oldschool“ ein Lexikon genommen wird – Lesen ist in beiden Fällen notwendig. Ich habe immer wieder erlebt, dass Kinder sich in Lexika oder Wörterbücher geradezu „festgelesen“ haben, wenn sie etwas nachschlagen wollten und andere interessante Einträge gefunden und gelesen haben.

Vielleicht probierst du auch einmal aus, mit deinem Kind über kleine Zettel-Nachrichten zu kommunizieren? Dabei denke ich jetzt nicht an Nachrichten wie „Räum dein Zimmer ENDLICH auf!!!“, sondern an angenehme, positive kleine Mitteilungen.

8. Briefe und Karten lesen (und schreiben)

Einen ähnlichen Effekt wie liebevolle kleine Zettel-Nachrichten von den Eltern können Briefe und Karten von Großeltern und anderen Verwandten haben. Besonders Omas und Opas sind sicherlich gerne bereit, ihren Enkelkindern ab und zu Post zu schicken. Im günstigsten Fall bekommen sie selber Briefe von den Enkeln, also eine Sache, die beiden Parteien Spaß machen dürfte.

Wie kann man noch Briefe für sein Kind organisieren? Vielleicht habt ihr als Familie Freunde mit etwa gleichaltrigen Kindern, die ihr nicht so oft seht. Wie wäre es dann mit einer Brieffreundschaft unter den Kindern. Oder ihr habt im Urlaub Bekanntschaften gemacht, mit denen sich dein Sohn oder deine Tochter per Brief austauschen kann. Sicherlich fallen euch selber noch weitere Möglichkeiten ein.

Eine weitere schöne Möglichkeit, wie dein Kind in den Genuss eigener Post kommen kann, bietet „Mira und das fliegende Haus“ . Wenn du für dein Kind ein Brief-Abo abschließt, landet jede Woche ein Brief von Mira in eurem Briefkasten. Zusätzlich bekommt ihr als Familie Zugang zu Bastelideen, Traumreisen und anderen Angeboten aus der Mira-Welt.

8. Nähkästchen-Plauderei – Leseförderung abgeben

Für meine Kinder hatte (und habe) ich eine Art „familieninternen Lehrplan“. Auf diesem Plan, den es nur in meinem Kopf gibt, sind wichtige Sachen gesammelt, die meine Kinder beherrschen sollten.

Eine Sache, die auf diesem Plan ganz groß stand: sicher schwimmen können.
Mir war klar, dass das Schwimmen überlebensnotwendig sein kann und es meine Kinder deshalb von klein auf lernen sollten.

Also ging ich mit beiden Kindern zum Babyschwimmen. Kinderschwimmkurse folgten. Und um am Ball zu bleiben ging es alle zwei Wochen mit den beiden ins Schwimmbad.

Ehrlich gesagt habe ich das gehasst. Der ganze Aufwand mit Umziehen, duschen, hinterher wieder abtrocknen und anziehen war für mich ein großer Energieräuber.

Und auch die Zeit im Schwimmbecken war nicht viel besser. Ich kann zwar schwimmen, aber Wasser ist nicht mein Element. Und weißt du, was mir im Schwimmbad ganz oft passierte? Ich langweilte mich!

Eigentlich habe ich viel Phantasie, aber im Schwimmbecken fällt mir nicht ein, was ich machen könnte (außer schwimmen 😉 ). Oft schaute ich bei Schwimmbadbesuchen mit meinen Kindern nach einer Stunde auf die Uhr und musste feststellen: Mist, es waren erst 10 Minuten vergangen und nicht 60!

Irgendwann übergab ich meinem Mann die „Schwimmerziehung“ unserer Kinder und das war für alle Beteiligten eine gute Entscheidung. Ich hatte zwar dafür gesorgt, dass sie sicher schwimmen konnten, der Spaß war dabei allerdings zu kurz gekommen, weil ich bei unseren Schwimmbadtripps eher gequält als gut gelaunt war.

Und was hat das alles damit zu tun, wie du die Lesemotivation deines Kindes fördern kannst? Ohne selber eine Bücherfan zu sein, kannst du mit deinem Kind die technische Seite des Lesens gut trainieren. Schwieriger wird es, wenn du auch Spaß am Lesen vermitteln möchtest.

Aber vielleicht kann ein anderes Familienmitglied hier einspringen? Oder Freunde, Nachbarn, Bekannt werden Lesepartner*innen deines Kindes. Wenn du aus deinem Umfeld niemanden findest, kannst du über verschiedene Vereine Leseunterstützung für dein Kind organisieren. Das Netzwerk Vorlesen der Stiftung Lesen oder die Leselernhelfer von Mentor können dir hierbei weiterhelfen.


Ich hoffe, dass du etwas von meinen Tipps mitnehmen kannst. Und vielleicht entdeckst du ja beim gemeinsamen Eintauchen in die Welt der Bücher und des Lesens mit deinem Kind, dass du Lesen und Vorlesen doch gar nicht soo schlecht findest.

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