Sollte ich die Schreibversuche meines Kindes verbessern oder nicht?

Schreibversuche des kindes verbessern: Ilka Kind auf einem Baumstamm

Wenn dein Kind seine ersten Worte oder Sätze schreibt, stellst du dir vielleicht die Frage: Sollte ich die Schreibversuche meines Kindes verbessern oder nicht.

Andererseits ist es vielleicht sinnvoll, von Anfang an falsche Schreibweisen zu korrigieren, damit sich fehlerhafte Schreibweisen nicht einprägen, oder?

Bevor um das eigentliche Korrigieren geht, lass uns erst einmal einen Blick darauf werfen, was dein Kind alles beim Schreiben erster Wörter oder Texte leisten muss.

1. Erste Schreibversuche

Wenn ein Kind erste Wörter oder Sätze schreibt, ist das ein magischer Moment. Die meisten Kinder sind sehr stolz auf ihre ersten Schreibversuche. Zurecht! Denn es ist eine große Leistung, dass ein Kind diesen Schritt macht. Führen wir uns mal vor Augen, was alles notwendig ist, damit ein Mädchen oder Junge überhaupt seine ersten Worte zu Papier bringen kann. Er oder sie muss einiges können, nämlich

  • Laute erkennen
  • Wörter in Laute zerlegen
  • Laute den Buchstaben zuordnen
  • Buchstaben schreiben

Ganz schön viele Schritte, die ein Kind, das gerade schreiben lernt, machen muss, oder?

Da manche Erstklässler diese Schritte noch nicht sicher umsetzten können, beispielsweise bei der Laut-Buchstaben-Zuordnung noch nicht sicher sind oder einen Buchstaben nicht korrekt schreiben können, kann es durchaus vorkommen, dass die ersten Worte oder Sätze falsch geschrieben werden.

Erschwerend kommt dazu, dass über 30 Prozent der deutschen Wörter nicht lautgetreu sind, also anders geschrieben werden als man sie spricht und Schulanfänger die korrekte Schreibweise gar nicht beherrschen können.

Aber wie kann man nun als Elternteil sein Kind beim Schreiben unterstützen, ohne es zu überfordern oder ihm die Lust am schriftlichen Ausdruck zu nehmen?

2. Es kommt auf den Stand des Kindes an

Wenn dein Kind aus eigenem Antrieb geschrieben hat, ist das wunderbar und verdient ein großes Lob. Gerade bei Schreibanfängern würde ich mit dem Korrigieren eher zurückhaltend sein und nicht akribisch jeden Fehler verbessern.

Sinnvoller ist es, wenn du mit deinem Kind gemeinsam den Text durchgehst und ihr gemeinsam Stellen besprecht, die dein Sohn oder deine Tochter schon können sollte. Beispielsweise könntet ihr bei Bedarf auf die Schreibung einzelner Buchstaben eingehen oder überlegen, welche Wörter in dem Text großgeschrieben werden müssen.

3. Der Schreibanlass ist wichtig

Es kann sein, dass dein Kind möchte, dass du den gesamten Text so korrigierst, dass er schließlich fehlerfrei ist. Wenn es sich um einen freiwilligen Text handelt, dann spricht nichts dagegen. Bei Hausaufgaben hingegen solltest du wissen, was die Lehrkraft deines Kindes bevorzugt.

Manche Lehrkräfte begrüßen es, wenn Eltern oder andere Betreuungspersonen die Hausaufgaben korrigieren. Andere Lehrerinnen und Lehrer hingegen bevorzugen es, wenn die Kinder nicht korrigierte Hausaufgaben mit in den Unterricht bringen, um den aktuellen Stand der Kinder besser einschätzen zu können und die Aufgaben im Unterricht zu besprechen.

Gerade in der Grundschulzeit empfehle ich dir, beim ersten Elternabend nachzufragen, was sich die Lehrkräfte in Bezug auf die Hausaufgaben und deren Verbesserung vorstellen.

4. Und wenn ich gar nicht verbessere?

Wenn ein Kind, das gerade erst schreiben lernt, viel und gerne schreibt, wirst du gar nicht jedes Wort und jeden Text korrigieren können. Das ist auch nicht schlimm, so weit dein Kind in der Schule nach und nach die korrekte Schreibweise lernt.

Nicht empfehlenswert ist es hingegen, wenn dein Kind immer frei schreiben darf und nie korrigiert wird. Du fragst dich vielleicht, wie das passieren sollte. Schließlich lernt dein Kind in der Schule das richtige Schreiben. Leider ist oder war das nicht immer der Fall.

Meine Erfahrungen mit der Methode „Lese durch Schreiben“

Eine Zeit lang war der Ansatz „Lesen durch Schreiben“ (auch bekannt unter „Schreiben nach Gehör“) nach Dr. Jürgen Reichen sehr populär. Bei dieser Methode fingen die Schüler und Schülerinnen sehr früh an, eigene Wörter und Texte mithilfe der Anlauttabelle* zu schreiben.

Schreibversuche meines Kindes verbessern. Anlauttabelle mit deren Hilfe Kinder sich das Schreiben quasi selber beibringen sollen
Beispiel für eine Anlauttabelle

Ich habe als Elternteil selber mit „Lesen durch Schreiben“ Erfahrungen gemacht, weil mein heute 16jähriger Sohn nach diesem Prinzip unterrichtet wurde. Sehr schnell schrieben er und seine Klassenkamerad*innen eigene Texte. Sie waren mit Feuereifer dabei, verwendeten aber auch Buchstaben, die noch nicht eingeführt waren und Wörter, deren Schreibweise sie noch nicht beherrschten. Das Ergebnis: Oft war vieles in den eifrig hingeschmierten Texten nicht zu entziffern.

Es war toll, wie motiviert die Kinder schrieben. Was allerdings für mich nicht nachvollziehbar war: Wir Eltern wurden von der Lehrerin dringlich ermahnt, die Texte unserer Kinder nicht zu verbessern. Das komplette erste Schuljahr sollten die Kinder ihrer Kreativität freien Lauf lassen dürfen.

Im zweiten Schuljahr war Schluss damit, es wurden nach und nach die Rechtschreibregeln eingeführt und ab dem Zeitpunkt griff die Lehrerin korrigierend in die Texte der Kinder ein. Auch wir Eltern bekamen die „Erlaubnis“ zu verbessern.

Für die Kinder war es ein Schock und sehr schwierig, nach einem Jahr des Schreibens in vollkommener Freiheit auf einmal die nach und nach eingeführten Rechtschreibregeln umzusetzen und viele hatten auch Jahre später noch Probleme mit der richtigen Schreibweise. Übrigens litt auch die Schreibmotivation sehr unter dem abruptem Wechsel vom vollkommen freien zum regelgeleiteten Schreiben.

Inzwischen steht die Methode stark in der Kritik und ist in den meisten Bundesländern nicht mehr erlaubt.

5. Fazit

Im Idealfall lernt dein Kind in der Schule die Rechtschreibung so, dass es sie sicher beherrscht. Die Realität sieht leider oft anders aus. Dann ist es gut, wenn du das Schreibenlernen deines Kindes begleitest und ihm hilfst, nach und nach seine Rechtschreibkompetenz aufzubauen.

So eine Unterstützung durch die Eltern ist nicht immer möglich. Vielleicht hast du keine Zeit, das Zusammenarbeiten mit deinem Kind gestaltet sich problematisch oder du fühlst dich selber nicht kompetent genug. In den Fällen unterstütze ich euch gerne – mit einem 1:1-Training für dein Kind oder eine Elternberatung für dich.

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