Was sind LRS-Klassen?

Was sind LRS-Klassen?

Vor ein paar Wochen stolperte ich bei Instagram über den Begriff „LRS-Klasse“. Ich hatte davon noch nie gehört und war neugierig: Was ist das überhaupt? Wo gibt es LRS-Klassen und für wen sind sie gedacht? Und wären LRS-Klassen vielleicht die Lösung für die vielen Kinder mit massiven Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben?

Was ich bei meiner Recherche herausfand, liest du hier.

1. Was ist eigentlich eine LRS-Klasse?

Die LRS-Klassen gibt es nur in Sachsen für Drittklässler. Kinder mit einer nachgewiesenen LRS besuchen die 3. Klasse in einer Schwerpunktschule. Das Besondere ist, dass das 3. Schuljahr über zwei Schuljahre gedehnt wird und die Kinder in Gruppen von 10-16 Schülern und Schülerinnen von speziellen LRS-Lehrkräften intensiv gefördert werden.

2. Wie läuft die Aufnahme in LRS-Klassen ab?

Sachsenweit findet in der Klasse 2 eine Überprüfung aller Kinder auf LRS statt. Ein multiprofessionelles Team aus LRS-Lehrkräften, Schulpsycholog*innen und Sprachheilpädagog*innen überprüft bei allen Mädchen und Jungen neben den

  • Lese- und Schreibfertigkeiten auch
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Intelligenz
  • Hör- und Sehvermögen
  • körperliche Koordination

Zeigt ein Kind bei diesem Screening Auffälligkeiten, so werden die Eltern informiert und erhalten das Angebot, ihr Kind für ein doppeltes drittes Schuljahr in die LRS-Klasse einer Schwerpunktschule zu schicken.

3. Was wird in den LRS-Klassen gemacht?

In den LRS-Klassen wird das Lesen und Schreiben noch einmal mit anderen Methoden vermittelt. Außerdem werden die verschiedenen Wahrnehmungsbereiche gefördert und intensive Leseförderung betrieben. Eine ganz wichtige Rolle spielt auch die Stärkung des Selbstbewusstseins.
Die anderen Schulfächer werden ebenfalls unterrichtet. Der Stoff wird auf das Doppel-Schuljahr verteilt.

4. Seit wann gibt es die LRS-Klassen?

Die LRS-Klassen sind noch ein Überbleibsel aus DDR-Zeiten. Bis vor ein paar Jahren gab es sie auch noch in anderen ostdeutschen Bundesländern. Im Rahmen der Inklusion wurden sie dort allerdings abgeschafft.

5. Herausforderungen rund um die LRS-Klassen

a. Für die Schüler und Schülerinnen

Für Kinder, die die LRS-Klasse besuchen, bedeutet dies einen häufigen Schulwechsel innerhalb der ersten vier Schuljahre. Die ersten beiden Schuljahre finden an der Heimatgrundschule statt, die beiden Jahre in der LRS-Klasse an einer Schwerpunktschule, danach kehren die Kinder an ihre Heimatgrundschule zurück, allerdings eine Stufe unter ihrer ursprünglichen Klasse. Der Besuch der LRS-Klasse bedeutet viel Unruhe, mehrfacher Wechsel in neue Lerngruppen, häufiger Lehrerwechsel.

Häufig müssen die Schüler*innen von LRS-Klassen auch einen weiteren Schulweg in Kauf nehmen, da nur in etwa 60 sächsischen Grundschulen dieses spezielle Angebot besteht (Stand 2019).

b. Für die Lehrkräfte

In den LRS-Klassen unterrichten spezialisierte Lehrkräfte. In einem zweijährigen berufsbegleitenden Zertifizierungskurs qualifizieren sie sich als LRS-Lehrkräfte. Auch in den LRS-Klassen macht sich der aktuelle Lehrermangel bemerkbar und freie Stellen können nicht neu besetzt werden.

6. Wäre eine Einrichtung von LRS-Klassen bundesweit sinnvoll und wünschenswert?

Was ich an dem sächsischen Engagement rund um die LRS-Förderung vorbildlich finde, dass eine qualifizierte Testung landesweit zu einem frühen Zeitpunkt stattfindet.

Sehr gut finde ich auch, dass alle Kinder – unabhängig vom Geldbeutel und Engagement der Eltern – eine besondere Förderung während des Schultags erhalten.

Was ich allerdings kritisch sehe, ist der häufige Schul-, Klassen- und Lehrkraftwechsel, den die Kinder aus LRS-Klassen mitmachen müssen. Das kann für viele Kinder herausfordernd oder sogar überfordernd sein.

Außerdem verlieren die Kinder ein Schuljahr. Und ihre LRS wird durch die Unterrichtung in Spezial-Klassen besonders hervorgehoben.

In diesen Klassen erfahren die Kinder zwar eine besondere Förderung. Effektiver ist jedoch eine Einzelförderung, bei das Kind im eigenen Tempo an genau seinen Problem-Feldern arbeiten kann.

7. Mein Fazit

Sinnvoller als spezielle LRS-Klassen finde ich die individuelle Einzelbetreuung von Kindern mit LRS während der Schulzeit durch Fachkräfte. Da aktuell wegen des Lehrermangels viele Förderangebote an Schulen gestrichen werden, bietet sich hier meiner Meinung nach die Beschäftigung externer Kräfte wie Lerntherapeut*innen, Legasthenietrainer*innen oder ähnlich qualifizierten Fachpersonen an.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen